Wölfe in der Schweiz

 

Letzte Aktualisierung : Freitag, 24. März 2006 03:26:46

 

Wölfe in der Schweiz

Wolf (Canis lupus)

 

Foto: © M.Hofmann / www.woelfe.ch

Foto: © by www.woelfe.ch

Der Wolf ist der Kosmopolit der Tierwelt: Er hatte einst das grösste Verbreitungsgebiet aller Säugetiere. Aus weiten Teilen davon wurde er im Verlauf der letzten Jahrhunderte ausgerottet, doch jetzt ist er vielerorts wieder auf dem Vormarsch.

 

Im 16. Jahrhundert war der Wolf noch in der ganzen Schweiz verbreitet. 90 % der Bevölkerung waren damals Bauern. Sie waren meist arm und besassen wenig Vieh. Der Verlust eines einzelnen Tiers konnte für eine Familie bereits katastrophale Auswirkungen haben. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass der Wolf rücksichtslos verfolgt wurde. Dies, aber auch die Entwaldung und Zersiedelung der Landschaft führten dazu, dass die Art aus der ganzen Schweiz verschwand. Die letzten Vorkommen erloschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wallis, dem Tessin und im Jura.

Als nächstgelegene Population blieb diejenige der Abruzzen in Italien. Der Tiefstand war hier 1970 erreicht, seither nimmt der Bestand wieder zu und breitet sich aus. Zu Beginn der 1990er Jahre erreichte die Ausbreitungsfront den südwestlichen Ausläufer des Alpenbogens. 1992 wurden erstmals auch in den französischen Alpen, im Nationalpark Mercantour, Wölfe beobachtet.

 
Karten von KORA  

Aktuelle Verbreitung des Wolfes in den Alpen

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Karten von KORA

 

Momentan leben etwa zehn Wolfsrudel auf italienischem und französischem Gebiet der Südwestalpen. Die nördlichsten Vorkommen befinden sich im italienischen Nationalpark Gran Paradiso bzw. in der Nähe von Grenoble. Der Bestand wird auf 50 Tiere geschätzt.

 

1995 wanderten die ersten Wölfe in den Unterwalliser Alpen ein. Mindestens ein Tier verweilte in diesem Jahr einige Monate im Val Ferret und Val d'Entremont.

 

1998 tauchte der Wolf dann auch im Oberwallis auf. Ende November wurde in Reckingen ein geschossener Jungrüde gefunden. Zwei Monate später starb auf der Simplonpassstrasse ein weiterer Jungrüde unter einem Schneepflug. Die genetischen Analysen der beiden Tiere ergab, dass es sich um Wölfe italienischer Abstammung handelte.

 

Anfang Juni 1999 wurde oberhalb von Veysonnaz im Unterwallis erneut ein Wolf beobachtet, gemäss genetischer Analyse einer Kotprobe wiederum einer aus Italien. In der Folge wurde er wiederholt gesichtet und gespürt, namentlich im Val d'Hérens und Val d'Hérémence, wo er erhebliche Schäden an Schafherden anrichtete. Aus diesem Grunde erteilte das BUWAL Anfang Mai 2000 eine Abschussbewilligung für das fragliche Tier.

Es ist zu erwarten, dass die Einwanderungen in die Schweiz in den kommenden Jahren zunehmen werden.

 

Wölfe im Jura?

Ein Wolfspaar bei Yverdon – oder eben doch nur Füchse?

Am 11. Februar wurden bei einem Steinbruch bei Donneloye VD südöstlich von Yverdon zwei Tiere gesichtet, die der Beobachter für Wölfe hielt. So wie er sie recht detailreich schilderte, ist nicht auszuschliessen, dass es tatsächlich Wölfe waren. Wahrscheinlicher aber erscheint eine Verwechslung mit Füchsen. Gemäss der Beschreibung handelte es sich um zwei Raubtiere mit einer gebückter Körperhaltung und einem buschigen Schwanz, den sie über den Boden schleiften.

Das sieht eher nach Fuchs aus:

Wölfe bewegen sich mit einem geraden Rücken und der Schwanz berührt den Boden nicht.

 

Noch ist der Nachweis nicht erbracht, doch gibt es starke Indizien für eine Wolfspräsenz im Schweizer Jura.

Beobachtungen erfolgten ab Mai 2004 in der Ajoie JU, bei Vallorbe VD und im Val de Ruz NE.

Eine sehr genaue Beschreibung lieferte eine Gruppe von Naturfreunden. Sie hatte im Gebiet des Hochmoors von Les Ponts-de-Martel NE einen Caniden gesichtet, den sie als Wolf ansprachen. Auch andere Beobachtungen erscheinen glaubwürdig.

Dass die seit Jahren expandierende italienisch-französische Wolfspopulation auch vor dem Jura nicht Halt machen wird, ist jedenfalls absehbar. Den südlichen Ausläufer hat sie bereits erreicht.

Im Juni 2003 wurden auf einer Weide bei Bellegarde im französischen Departement Ain 14 Schafe gerissen. Die genetische Analyse eines Kotfundes belegte die Täterschaft eines Wolfs aus den Westalpen Italiens und Frankreichs.

Er war vermutlich nicht der erste. Bereits 1994 wurde in den Vogesen ein Wolf der gleichen Herkunft getötet. Er kann fast nicht anders dahin gelangt sein als via Jura.

 

Am 16. Juli 1995 werden auf einer Alp im Val d’Entremont mehrere Schafe von einem Raubtier getötet. In der Folge erleiden hier diverse Schafalpen Schäden, ebenso im Val Ferret. Mehrmals wird ein wolfsähnliches Tier beobachtet. Die Analyse von Kotfunden bestätigt die Präsenz mindestens eines Wolfs. Ein Tier wird am 5. Februar 1996 von einem Jäger angeschossen und an der Pfote verletzt. Am 19. März wird es letztmals anhand der Fährte im Schnee gespürt. Der Wolf hinkt immer noch. In der Nacht auf den 5. Mai wird ein weiteres wohlsfähnliches Tier in der Nähe von Orsière angeschossen. Die

Nachsuche bleibt erfolglos.

 

1998/1999 Simplongebiet VS

 

Erste Anzeichen für die Anwesenheit eines Wolfs zeigen sich Ende Oktober 1998: Beim Simplon werden 3 Schafe von einem Raubtier gerissen. Es folgen weitere Schäden.

Mehrmals wird ein Wolf gesichtet oder gespürt. Am 25. November liegt neben der Kadaversammelstelle von Reckingen ein toter Wolfsrüde. Am 14. Januar 1999 wird auf der Simplon-Passstrasse ein Wolf von einer Schneeräumungsmaschine überfahren, ebenfalls ein Rüde. Die genetische Untersuchung der Kadaver ergibt, dass sie nahe verwandt, vermutlich Brüder waren und einem Rudel aus dem Gebiet Moyenne-Tinée im französischen Nationalpark Mercantour entstammten.

 

1999/2000 Val d’Hérens und Val d’Hérémence VS

 

Am 3. Juni 1999 beobachtet ein Jäger zusammen mit seiner Frau in der Gegend von Veysonnaz auf 2000 Metern Höhe ein wolfsähnliches Tier. In der Folge häufen sich Beobachtungen, ebenso die Angriffe auf Kleinvieh, besonders im Val d’Hérens und im Val d’Hérémence. Die Schadensserie setzt sich im Jahr 2000 fort. Zwischen dem 3. Juni 1999 und dem 3. Juli 2000 erfolgen im betroffenen Gebiet insgesamt sieben Kotfunde. Sie stammen von zwei verschiedenen männlichen Wölfen. Am 25. August wird im Val d’Hérens ein Wolf mit Bewilligung des Kantons geschossen. Es handelt sich um einen zwei- bis fünfjährigen Rüden. Er ist mit keinem der beiden obgenannten Tiere identisch.

 

2000 Turtmanntal VS

 

Ab Ende Juni 2000 kommt es im Gebiet Ginals östlich des Turtmanntals wiederholt zu Angriffen auf Schafherden. Hinterlassener Kot verrät den Verursacher. Es ist ein Wolfsrüde.

Im August wird eine Abschussbewilligung erteilt, kurz danach wird das Tier angeschossen. Es bleibt unauffindbar.

 

2001 Tessin/Bergell GR

 

In der Nacht auf den 10. Januar tötet ein Wolf bei Bellinzona drei Ziegen. Anfang April kommt es zu Schäden in den Gemeinden Stampa und Soglio im Bergell. Die Schadenserie setzt sich trotz Abwehrmassnahmen über den ganzen Sommer fort. Am 21. August erteilt der Kanton Graubünden in Absprache mit dem BUWAL eine Abschussbewilligung.

Ende September erlegt ein Jäger den Wolf im Gebiet Margna GR. Es handelt sich um einen 40 Kilogramm schweren Rüden.

 

2002 bis heute Zwischbergental VS

 

Mitte Juli ereignen sich auf der Alp Pontimia die ersten Schäden durch ein Raubtier. Die Analyse von Kot und Auswurf erbringt den Erstnachweis einer Wölfin in der Schweiz. Nach dem 26. getöteten Schaf erteilt der Kanton Wallis eine Abschussbewilligung.

Ab 23. Juli wird die Alp behirtet und von Herdenschutzhunden bewacht. In der Folge treten keine Schäden mehr auf. Nach dem Alpauftrieb 2003 kommt es erneut zu Verlusten.

Teils nehmen die Schafhalter ihre Tiere umgehend wieder ins Tal, teils werden Schutzmassnahmen ergriffen. Die Wölfin bleibt am Leben. 2004 ist sie immer noch im Gebiet.

Drei- oder viermal greift sie eine Schafalp an und tötet dabei insgesamt elf Tiere. Von der Simplonwölfin gibt es eine Kotprobe aus dem Jahr 2001, gefunden im Valle Pesio südlich von Cuneo (I). 200 km Luftlinie ist die Distanz von hier bis zum Simplon.

 

2002 bis heute Surselva GR

 

In der Surselva, auf dem Gebiet der Gemeinden Waltensburg/Vuorz und Breil/Brigels, kommt es im August 2003 zu mehreren Attacken eines Raubtiers auf Schafe. In den Wochen danach sichten Jäger mehrmals einen grossen Caniden. Dabei erfolgen auch sehr präzise Beobachtungen, die wenig Zweifel daran lassen, dass es sich um einen Wolf handelt. Die genetische Analyse eines Kots und einiger Haare im Januar 2003 bestätigt dies.

2003 und 2004 ist dauernd ein Wolf im Gebiet. Er löst im Juni 2004 erstmals ein Fotofallenbild aus. Dank Herdenschutzmassnahmen mach das Tier wenig Probleme: Ingesamt sieben Schafe werden 2004 gerissen.

 

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Foto: © M.Hofmann / www.woelfe.ch

Foto: Beim Stausee Alp da Pigniu 

© by www.woelfe.ch

 

WWF fordert verstärkten Herdenschutz

 

Der WWF wünscht eine enge Zusammenarbeit von BUWAL (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) und BLW (Bundesamt für Landwirtschaft) und eine substantielle Stärkung der Herdenschutzmassnahmen.

 

Der WWF Schweiz und die Sektionen Wallis, Graubünden und Tessin haben über Jahre in enger Zusammenarbeit mit Schaf- und Ziegenhaltern Erfahrungen mit

verschiedenen Herdenschutzmassnahmen gesammelt. In einer repräsentativen Umfrage des WWF (2002) haben über 70% der Schweizer Bevölkerung zusätzliche Subventionen für Herdenschutzmassnahmen befürwortet. Wir sind uns bewusst, dass die finanziellen Mittel zur Unterstützung beschränkt sind. Umso wichtiger ist eine zielbringende Verteilung. Die neuen Kategorien der Sömmerungsbeiträge sehen höhere Beiträge für behirtete Herden und kontrollierte Weideführung vor.

Diese Unterstützung kommt auch dem Herdenschutz zugute und kann entsprechend berücksichtigt werden.

Herdenschutzmassnahmen sind mit mittel- bis langfristigen Investitionen verbunden (Hunde, Elektrozäune, Infrastruktur für Hirten etc.). Die Nutztierhalter müssen auf eine Basissubvention über einen längeren Zeitraum zählen können.

Aus Sicht des WWF sind zum jetzigen Zeitpunkt folgende Aufgaben sehr wichtig:

 

 

Herdenschutzzentren: Koordinations-, Informations- und Beratungsarbeit sowie Weiterentwicklung von Schutzmassnahmen. Der Hauptteil der Unterstützung soll an die Leute gehen, welche die praktische Umsetzungs- und Beratungsarbeit leisten.

 

 

 

 

Herdenschutz mit Schutzhundenwird (eventuell ab einer bestimmten Herdengrösse) in den Kompartimenten I Jura, V Ostalpen, VII Wallis und VIII Südalpen

mit einem Sockelbeitrag subventioniert.

 

 

 

 

Herdenzusammenlegungen (mit dem Ziel, eine bestimmte Herdengrösse zu erreichen) werden mit zusätzlichen Beiträgen über einen beschränkten Zeitraum

gefördert.

 

 

 

 

Schneller Schutz und kompetente Beratung bei Übergriffen durch die mobile Einsatztruppe.

 

 

 

 

Aufklärung von Wanderern und Touristen.

 

 

 

 

Evaluation der angewandten Massnahmen.

 

Ein Pyrenäer im Puschlav

KARMA ist einer der Herdenschutzhunde im Modellprojekt „Herdenschutz Graubünden.“ Er stammt von einer Bergrasse aus den Pyrenäen. Jetzt lebt KARMA  zusammen mit 50 Schafen im Puschlav und schützt seine Schafe vor Angriffen.

Schafhalter Daniele Raselli macht beim Herdenschutzprojekt mit, weil er sich für „ein harmonisches und friedliches Nebeneinander“ von Schafen und Grossraubtieren einsetzen möchte. Er ist wie der WWF Graubünden für ein doppeltes Ja: für eine nachhaltige Schafhaltung im Berggebiet und für die Rückkehr des Wolfs. „Es gibt Lösungen“, sagt der Schafhalter aus dem Puschlav, „es kommt nur darauf an, ob wir sie zulassen.“

 

Textquelle bei KORA

 

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Copyright © 2006 Woelfe & Wölfe
Stand: 24. März 2006